= Was wird aus einem Witzbold des Jahres? =
Ich komme gerade vom sog. “Brunnenfest” in Witten-Herbede, veranstaltet vom Josefsheim - ein Altenheim. Dort lebt meine Oma seit einem guten Jahr und da der Rest der Familie im Urlaub oder unterwegs ist, habe ich mich bereiterklärt, meiner Oma dabei heute Gesellschaft zu leisten. Da gibt’s nämlich frische Pommes und Reibekuchen. Das ist meiner Oma sehr wichtig!
Egal - schon etwa 800 Meter vor dem Altenheim mußte ich aufpassen, dass mein Mercedesstern auf der Motorhaube nicht zur Zielscheibe wird. Rollatoren, alte Menschen und deren Begleitung, wo man auch hinsah. Also schön langsam gefahren und einen Parkplatz gesucht. 100 Meter vom Heim entfernt sogar ein Fleckchen gefunden. Direkt beim Aussteigen vernahm ich bereits einen orgelspielenden Alleinunterhalter, der die ganze Siedlung unterhielt: “So schön, schön war die Zeit”. Irgendwie empfand ich die Titelauswahl als makaber. So, als hätte er auch singen können: “Abgelaufen, abgelaufen ist eure Zeit”.
Als ich vor Ort war, mußte ich feststellen, dass es sich trotz der dünnen Musik um zwei Mannen handelte, die nicht besser waren, als ein einzelner schlechter Alleinunterhalter. Obwohl die Kosten für ein Zimmer in diesem Altenheim bei Pflegestufe I rund 2600 Euro pro Monat betragen, wird bei diesem Fest fast alles ehrenamtlich gestemmt und per Spenden finanziert. Deshalb vermute ich mal, dass die beiden “Allein”unterhalter sich vielleicht dachten, dass sie auf die Gage verzichten und als Promotion-Aktion auftreten. Wie bescheuert diese Idee war, ist Ihnen vielleicht aufgefallen, als sie die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschenansammlung zusammenrechneten und mit den bisher erreichten Lebensjahren verrechneten und auf ein negatives Ergebnis kamen. Folgeaufträge vermutlich nur bei Beerdigungen - und da passt das Repertoire wahrscheinlich nicht.
Die beiden Jungs waren dann auch drei Lieder später fertig mit Schönschreiben. Mir schwante aber bereits Übles, als ich plötzlich immer mehr Menschen mit weißem Cappy und einer blauen Jacke entdeckte, auf der stand “Shanty Chor Witten”. Während ich noch hoffte, dass der Auftritt erst für abends geplant war, wurde mir mehrfach von hinten in die Waden getreten. Als ich mich umdrehte, erblickte ich einen zahnlosen alten Opi, der mich scheel aus seinem Rollstuhl angrinste, während er weiter nach mir trat. Ihm war der Weg nicht breit genug. Ich lächelte zurück und trat einen Schritt bei Seite.
Als ich mit meiner Oma diverse Köstlichkeiten verschlang (Waffeln mit Kirschen und Sahne, Pommes und Currywurst), machte sich der Shanty Chor auf den Weg zur Bühne. Shit happens! Ich habe eigentlich nichts gegen Shanty Chöre an sich, aber wenn die auch alle für lau auftreten, dann Prost Mahlzeit. Immerhin sah ich ein “1982″ auf dem Rettungsring, der vor der Bühne postiert war. Na sieh mal an - gibt’s die schon seit 25 Jahren. Da werden die ja wohl was können…
25 Minuten später war ich schlauer. Ich frage mich, was die Jungs und Mädels jenseits der 60 so lange zusammengehalten hat, aber es war vermutlich eher das gemütliche Sit-In bei ein, zwei Schnäpschen, als die gemeinsame Chorprobe. Der “Lead-Sänger”
vergass ständig den Text, obwohl er die Texte vor sich in einem Notenständer hatte. Aber vermutlich fehlte ihm einfach die Lesebrille. Ich fand’s zumindest peinlich, als ihm bei Yellow-Submarine (in einer deutschen Version!) der Text ausging und er stattdessen einen Schweißausbruch bekam und irgendeinen Schwachsinn ins Mikrofon brummelte. Das passierte ihm in jedem (!) weiteren Lied wieder.
Der ältere Herr, der die Zwischenansagen machte und Witze erzählte, hat bei jedem dritten Witz die Pointe versaut. Auch hier wurde jeder Witz abgelesen. Und TROTZDEM wurde die Pointe versaut. Unglaublich! Damit man sich einen Eindruck von der Qualität der Witze machen kann:
Eines Tages kommt der Regierungspräsident zu Besuch in eine Schulklasse und setzt sich in die letzte Reihe neben Fritzchen. Die Lehrerin schreibt eine Frage an die Tafel und fragt, wer sie beantworten könne. Zunächst meldet sich keiner der Schüler. Plötzlich meldet sich doch noch Fritzchen. Als er aufgerufen wird, sagt er: “Die Lehrerin hat einen wirklich tollen Hintern!”. Die Lehrerin erstaunt: “Nein, Fritzchen das ist nicht die Antwort”. Daraufhin dreht sich Fritzchen zum Präsidenten um und sagt: “Wenn Du schon nicht richtig lesen kannst, solltest Du wenigstens richtig vorsagen können!”
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Treffen sich zwei Bekannte nach dem Urlaub wieder. Fragt einer den anderen: “Na? Wie war Dein Urlaub?” - “Ach, meine Frau ist im Urlaub zur Schönheitskönigin gewählt worden - kannst Dir ja vorstellen, in was für einem Kaff wir waren.”
So, das waren die beiden besten Jokes - den Rest erspare ich euch. Es war also im Stile von Fritz Asmussen auf Drogen. Und dann kam die Ansage, die mir eine Frage beantwortet hat - die Frage: Warum zum Teufel melden sich Leute bei Verstehen Sie Spaß und bewerben sich um den Witzbold des Jahres??? Diese Nummer ist nur peinlich! Aber es gibt Gründe. Man kann danach durch Dörfer tingeln. Ansage des Shanty-Chors: “Übrigens feiern wir nächste Woche unser 25-jähriges Jubiläum in der Aula der XY-Schule (habe ich vergessen). Unser Stargast, bekannt aus dem Fernsehen ist [Name vergessen] - der “Witzbold des Jahres” aus Frank Elstners Show “Wetten dass…” (sic!).
Mal abgesehen davon, dass der Witzbold des Jahres nicht bei Wetten Dass gekürt wird, sondern bei Verstehen Sie Spaß, ist das doch wirklich die unterste Schublade. Ein “Stargast”, der mal so einen Peinlichkeitswettbewerb gewonnen hat. Da schaudert’s mich!
Nunja - meine Oma hatte trotzdem einen schönen Nachmittag - und darauf kommt’s ja schließlich an. Etwas unterirdisch fand ich die Veranstaltung dennoch. Mir taten die Leute Leid, die noch so gut beisammen waren, dass sie hätten merken können, dass hier kein Geld in die Veranstaltung gesteckt wurde. Da wünsche ich mir für meinen Lebensabend vielleicht doch etwas mehr. *seufz*

