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Archive for Juli 2010

Keine Lust auf alte Nachrichten? Ich habe den Blick in die Kristallkugel geworfen und gebe hier einen kleinen Ausblick auf das, was kommen wird:

02.08.2010: Lothar Matthäus gibt per Pressekonferenz (zu der nur RTL Punkt12 erscheint) bekannt: „My Ehe shutt häv biin bild for longer, but nau I will onereaching (einreichen, Anm.d.Redaktion) the diwors.“ Kurz: Loddar lässt sich scheiden. Seine vierte Ehefrau Liliana dazu: „Loddar hat mal gesagt ‚Das Chancenplus war ausgeglichen‘ – und diesen Ausgleich erwarte ich auch auf meinem Konto!“.

15.09.2010: Google hat die ersten Prozesse um die Verwendung der Aufnahmen für den Street-View-Dienst verloren. Die Richter gaben den Klägern Recht und untersagten Google, die in Deutschland gefilmten Aufnahmen zu verwenden. Google gab daraufhin bekannt, demnächst Pick-Ups auf die Straßen zu schicken, die Schnellzeichner durch die Lande fahren. Ein Google-Sprecher dazu kämpferisch: „Wir kriegen Deutschland in die Datenbank! Und wenn es die impressionistische Variante ist!“. Googles Aktienkurs brach nachbörslich um 7% ein.

10.10.2010: Der Deutsche Fernsehpreis wird wieder verliehen. Diesmal wird die katholische Kirche für den kreativen Umgang mit der deutschen Sprache in der Spezialkategorie „Außergewöhnliches außerhalb des TVs“ nominiert. Die Formulierung, dass für Bischoff Mixa „eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz“ hilfreich sein könne, nachdem man Mixa Misshandlungen vorwarf, sei „herausragend grandios“. Den Preis nahm Erzbischof Robert Zollitsch in Empfang. Er wünschte in seiner Dankesrede Herrn Kachelmann noch eine „besinnliche Zeit bei guter Lektüre“ und Rapper Sido empfahl er statt geistiger Einkehr, eine geistige Umkehr. Zollitsch wirkte bei der Entgegennahme des Preises etwas verwirrt und murmelte: „Da fehlt der Querbalken und der Jupp!“

19.10.2010: Hannelore Kraft zieht eine positive Bilanz aus dem ersten Quartal der NRW-Minderheitsregierung: „Wir haben viel bewegt in NRW! So haben wir mit den Stimmen der CDU ein Parkverbot in der Bahnhofstraße in Wanne-Eickel durchgesetzt und mit den Stimmen der Linken ein Lolliverbot in Grundschulen beschlossen. Da geht es schließlich um die Gesundheit der Kinder.“. Eine Erhöhung der Parkgebühren auf dem Mindener Marktplatz um 20 Cent je Stunde fand bisher noch keine Mehrheit. Dazu Kraft: „Wir setzen jetzt erstmal um, was geht, aber auch bei diesen wichtigen Finanzfragen werden wir noch richtungsweisende Beschlüsse fassen.“

23.10.2010: Steve Jobs stellt neue Apple Produkte der Weltöffentlichkeit vor. Darunter den iFROG, der die klassische Maus ersetzen soll. Das farblich in grün gehaltene Produkt ist der Form eines Frosches nachempfunden und kann auf Knopfdruck mit einer zungenartigen Klebefläche einen Touch-Screen bedienen. Man arbeite noch an der Zielsicherheit des Produktes. In einer späteren Version (iFROG S) soll noch ein Mundstück nachgerüstet werden, womit man den iFROG auch aufblasen kann. Platzen soll der iFROG dabei jedoch nicht.

11.11.2010: Nach der Ölkatastrophe am Golf von Mexiko, hat die US-Regierung beschlossen, dem verantwortlichen Ölmulti BP keine Lizenz mehr für Tiefseeölbohrungen zu erteilen. BP darf zukünftig nur noch nach Vanilleeis in der Antarktis bohren. Der Firmensprecher dazu: „Bisher sind wir noch nicht fündig geworden, aber wir kaufen uns noch Know-How von Langnese ein und denken, spätestens im Jahr 2014 die erste Vanilleeis-Bohrplattform eröffnen zu können.“

03.12.2010: Die Deutsche Bahn hat alle ICE-Züge wegen der Klimaanlagenprobleme aus dem diesjährigen Sommer fertig umgerüstet. Wie die Bahn mitteilt, hat man alle Fenster aus den Zügen entfernt, um durch den Fahrtwind eine bessere Kühlung zu erreichen. Darauf angesprochen, dass bei den derzeitigen frostigen Wintertemperaturen vielleicht eine optimalere Lösung gefunden werden müsse, antwortete der Bahnchef: „Wir haben das Problem erkannt und arbeiten daran. Vermutlich rüsten wir alle Züge noch einmal auf und installieren Olfässer in den Wagons, die bei Bedarf angezündet werden. Dann müssten wir allerdings aus Sicherheitsgründen auch die Wagondächer entfernen.“. Die Umrüstung soll im Sommer 2011 abgeschlossen sein. Eine Fahrpreiserhöhung aufgrund der immensen Investitionssumme ist wahrscheinlich.

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Oder: Das Web ist das, was Du daraus machst.

Ich bin jetzt 37 und ich halte mich für technikbegeistert und auch halbwegs up-to-date, was die modernen Techniken angeht. Beim Jugendslang habe ich sicherlich bereits meine Defizite. Genauso, wie wir früher angesagtes Vokabular hatten, dass unsere Eltern nicht verstanden, wird es die Jugend immer zu eigenen Wortkreationen bringen, die ihre Codes enthalten.

Das ist der Lauf der Dinge. Mit 37 steht man in der Regel im Leben. Irgendwo zwischen Job, Beziehung/Ehe, Finanzamt, Pärchenabenden und langweiligen Geburtstagspflichtveranstaltungen, die um 24 Uhr ihren Höhepunkt darin haben, dass einer der Gäste in die Zierblumen kotzt und der Rest der Veranstaltung zwei Wochen darüber reden kann. Früher haben alle in die Blumen gekotzt und gequatscht wurde über das stattgefundene Beziehungskarrussel oder über wilde Rumknutschereien, die gleich am nächsten Wochenende neue Konstellationen bereit hielten.

Man hat nicht mehr 800 Mitschüler auf dem Pausenhof um sich, fährt nicht mehr mit 80 anderen Leuten im Bus zur Schule und interagiert, schnappt auf, tauscht sich aus. Das soziale Umfeld wird zwangsläufig kleiner. Wenn man sich also in seinem Umfeld nicht mit einem Haufen weiterer technikbegeisterter Nerds umgibt, ereilen einen genauso zwangsläufig Defizite.

Halb so schlimm. Das Internet fängt alle auf. Die jugendlichen Nerds, die gut vernetzten Twens, die kreativen 30er, die suchenden 40er, die Freizeit-50er und auch die hobbygärtnernden Rentner. Und Blogs sind auch für alle da. Ein Blog kann jeder. Es ist, wie die frühen Visitenkartenbausätze großer Internetanbieter. Ein paar Klicks, ein paar persönliche Angaben und *schwupps* schon steht das Gerüst. Man muß nur Inhalte einbringen.

Während sich der Jungspunt erstmal ein Synonym zulegt, eine anonyme Mailadresse anlegt und einen Scheiß auf ein Impressum gibt, neigt der gewachsene Mensch, mit Hintergrundbildung dazu, sich gesetzeskonform zu Verhalten. Er hat seine Mailadresse beim Telefonriesen oder etablierten Anbietern, die die postalischen Adressen prüfen – außerdem legt er ein Impressum an.

Während die Jugend gnadenlos Musikvideos und anderes Copyright-belastetes Material einstellt, neigt die gesetztere Generation zu Text. Manchmal bebildert.

Und in der Parallelwelt zu den kreativen Ansätzen des Webs, stehen Anwälte, Rechteverwerter und Geschäftemacher in den Startlöchern, um jeden Morgen auf’s Neue auf Beutefang zu gehen. Wo hat jemand das Copyright verletzt? Wer hat unerlaubt zitiert? Wer bietet Musik zum Download? Wen kann ich auf meine Seite locken und ihm statt kostenlosen Content ein Abo andrehen?

Tausende, wenn nicht zehntausende Abmahnungen werden jeden Werktag auf den Weg gebracht. Menschen zur Unterlassung aufgefordert. Strafbewärt – mit Kostennote. Oder einfach ungerechtfertigte Forderungen aufgerechnet – mit anschließendem Mahnverfahren, aber stets ohne Gerichtsbarkeit.

Wen trifft es?

Die, die ermittelbar sind. Die, die ihr ordentliches Impressum angeben, die, die ihre korrekten Adressdaten bei soliden Diensten angeben. Die, die vielleicht was zu sagen haben. Die, die nicht wissen, wie sie ihre IP-Adresse verschleiern. In der Regel trifft es jedoch nicht die, die Filme im Kino abfilmen, die, die im großen Stil Musik vor dem VÖ-Datum in Tauschbörsen einstellen und auch nicht die, die wissentlich und ständig gegen Rechte anderer verstoßen, um selbst möglichst viele Hits zu kriegen und Reputation zu sammeln. Die halten sich genauso schadlos, wie die Abmahnanwälte, die großen illegalen Tauschbörsen usw.

Der Depp ist der kleine Fisch oder auch der Aufrechte in dieser Gesellschaft.

Mich wundert es da nicht, wenn ich sehe, wie viele meiner Kontakte in die Anonymität verschwinden, ein neues Blog ohne Impressum aufmachen und sich über Verschlüsselungs- und Verschleierungstechniken schlau machen.

Damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Ich selbst profitiere vom Urheberschutz. Ich produziere beispielsweise Fotos. Und die Verwendung der Fotos möchte ich natürlich auch selbst bestimmen.

Wenn aber der Rentner Heinz Kowalski in seinem Blogeintrag über seine letzte Kreuzfahrt ein Bild von mir zur Bebilderung hinzunimmt, weil er zeigen möchte, was für geile Schnallen dort rumliefen, dann kann ich ihn selbst darauf ansprechen, wenn es mich stört. Denn Heinz Kowalski hat vermutlich ein Impressum. Und Heinz Kowalski wird meiner Aufforderung vermutlich auch nachkommen und das Bild entfernen. Da muß ich keinen Anwalt beauftragen, der einen Streitwert von 10.000 Euro festlegt und dem Heinz eine Rechnung über 1.700 Euro schickt.

Das Web ist unentspannt geworden. Ich selbst habe schon drei Abmahnungen und Unterlassungserklärungen erhalten. Dabei halte ich mich nicht gerade für einen Vandalen unter den Bloggern.

Gesetzgeber, Gerichtsbarkeiten, Abmahnanwälte und Menschen mit unlöblichen Absichten treiben immer mehr Menschen in die Anonymität des Netzes. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich dem noch lange Stand halte.

Ich merke, dass man zusehends zum Karl Arsch der bösen Menschen wird, wenn man zu sich selbst steht und kein Alias verwendet. Der Gesetzgeber hat einen guten Schritt getan, als er die Kosten für Abmahnungen gegen Privatleute gedeckelt hat. Das ist eine vernünftige Reglementierung, weil es zwar die Netzwelt betrifft, aber eigentlich nicht die virtuelle Welt beeinflusst, sondern die reale Welt. Die Abzocker unter den Abmahnern. Ich wünsche mir vom Gesetzgeber mehr Schritte in diese Richtung. Es gibt so viele Firmen, deren einziger Sinn in der Abzocke besteht – und auch bei Rechteverwertern häuft sich das. Dort geht es ja soweit, dass Staatsanwaltschaften zu Gehilfen der Rechteverwertern umfunktioniert werden. Das zahlt unterm Strich der Steuerzahler.

Möge der Gesetzgeber Vorraussetzungen schaffen, die eine schnellere Verfolgung von windigen Firmen und Abzockern ermöglicht. Und möge der Gesetzgeber zeitgleich für Chancengleichheit auf Seite der verfolgten, einfachen Mitbürger schaffen. Für deren Verfolgung gibt es nämlich einfache und schnelle Verfahren.

Für ein entspannteres und faireres Netz, in dem man nicht ständig das Gefühl hat, dass 200 Menschen und Institutionen auf den nächsten Fehltritt von mir warten, um mich abzustrafen…

Wer das so ähnlich sieht, votet bitte 5 Sternchen – wer nicht, gibt 1 Stern.

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