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Archive for September 2010

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie wankelmütig die menschliche Seele doch manchmal sein kann. Im Rückblick der letzten gut zwanzig Jahre habe ich auf der gute-Gefühle/schlechte-Gefühle-Skala (Y-Achse) und Zeitachse (X) interessante Wellen geschlagen. Wie die meisten Menschen, denke ich. Mal sind wir gut drauf, mal reißt es uns den Boden unter den Füßen weg – und doch: Egal wie weit wir die X-Achse mit dem Y-Wert nach unten durchschlagen haben – es gibt den Wendepunkt. Immer.

Eines meiner Mottos ist: „Hier in Deutschland kommt man aus jeder Scheiße wieder raus!“

Eine weitere Erfahrung meines bisherigen Lebens ist: Was in der Vergangenheit war, verklärt sich in der Nachbetrachtung. Negative Emotionen haben eine kürzere Halbwertszeit, als positive. Für mich war es immer wichtig, das zu wissen. Mit dem Wissen kann man den Maßstab oft korrigieren, der einem verloren geht, wenn man beispielsweise eine Trennung verarbeitet. Vor allem, wenn man die Trennung von sich aus vollzogen hat. In der Nachbetrachtung gibt es immer mehr Dinge, die man vermisst – dabei bleiben immer weniger Dinge im Gedächtnis, die zur Trennung führten.

Nungut, da erzähle ich nichts Neues. Das passt in das wissenschaftlich aufgearbeitete Thema der Trennungsphasen.

Was aber tust Du, wenn Du ein, zwei Wochen nach der Trennung von Deiner Partnerin jemanden fragst, der Kontakt zu beiden Getrennten hält und dieser jemand Dir auf Nachfrage sagt, dass es Deiner Ex-Partnerin „gut“ geht – und auf Nachfrage mit einem „wirklich gut“ unterstreicht? Du wunderst Dich, weil Du dachtest, dass Du jemanden tief, tief verletzt hast. Und dann denkst Du Dir: Oh, da ist jemand aber sehr schnell in den Trennungsphasen unterwegs… lass gut sein!

Und dann hörst Du fünf weitere Wochen später, dass es der Ex-Partnerin die ganze Zeit doch sehr mies gehen soll. Und dann springt noch jemand daneben, der das bestätigt.

Das ist der Moment, wo Du merkst, dass sich der Freundeskreis splittet und ggf. auch instrumentalisiert wurde. Ich habe in den letzten sieben Wochen nur zwei Personen dieselbe Frage gestellt – und unterschiedlicher hätten die Antworten nicht ausfallen können.

Da sitzt man da und sortiert ganz schön lange… und kommt zu der Erkenntnis, dass es in der Kommunikation mehr als Sender -> Medium -> Empfänger gibt. Und plötzlich mischen sich ganz viele Gefühle in das Koordinatensystem und man schießt im Y-Wert ganz schön nach unten. Und dann versucht man, seine Erfahrungen bezüglich der Halbwertszeit von Emotionen und sein Wissen über Wendepunkte in Einklang zu bringen mit der Realität, der Selbstwahrnehmung, der Fremdwahrnehmung und den eigenen Gefühlen.

Und dann hängt die Seele plötzlich auf halb acht.

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